Wir machen „voorvrijheid.eu“

Hier stellen sich ein paar Köpfe vor, die diesen Webauftritt künftig mitpflegen werden. Warum beobachten und dokumentieren wir über das Jahr deutsch-niederländische Projekte, die den Gedanken von Freiheit und Erinnerung über die Grenzen hinweg tragen? Was verbinden wir selbst mit dem Freiheitsgedanken, mit dem Wort „Befreiung“ und allgemein der Erinnerungskultur? Mit einer persönlichen Einschätzung zum 4. und 5. Mai in den Niederlanden sowie dem 8. Mai in Deutschland, geben wir diesem Blog einen Mix aus Gesichtern:

Marja Verburg, Duitsland Instituut
Marja Verburg, Duitsland Instituut, Redacteur Duitslandweb

Meer dan met het vieren van de bevrijding associeer ik 4 en 5 mei met de dodenherdenking. Als kind leerde ik in de jaren ‘80 op school over de verschrikkingen van de Tweede Wereldoorlog en het onbegrijpelijke aantal doden. En hoe belangrijk het was dat mensen de moed hadden zich daartegen te verzetten. Elk jaar liep ik met mijn vader mee in de stille tocht in Muiden en legden we bloemen, die m’n moeder speciaal daarvoor uit de tuin had geplukt, op de graven van de Canadese soldaten daar. Daarna was er altijd wel een verzetsfilm op tv – meestal ‘Het meisje met het rode haar’. Het maakte allemaal veel indruk.

Later, toen ik in Amsterdam studeerde, ging ik voor de dodenherdenking naar de Dam. Daar vond ik de stilte met zoveel mensen altijd erg indrukwekkend. De afgelopen jaren was ik meestal thuis, voor de tv. De beelden van de Tweede Wereldoorlog, die als kind zo op mijn netvlies stonden, maken inmiddels vaker plaats voor verschrikkingen van nu – zoals in Syrië of Afrika.

Vorig jaar was ik voor het eerst in mijn leven om 20.00 uur geen twee minuten stil. We zaten met wat vrienden te eten en te praten – en ineens was het 20.15 uur. Geschrokken hebben we de tv aangezet, spoelden het programma terug en herdachten we de doden alsnog om 20.30 uur. Dit jaar ontdekte ik pas toen ik mijn terugreis van een lang weekend weg had geboekt, dat ik op 4 mei niet om 20:00 ‘s avonds thuis ben. Ik zal de doden in een trein herdenken.

Ik ben er nog niet uit wat dit nou over mijn beleving van dodenherdenking zegt. Ik hoop niet veel.

Marja Verburg, 42 jaar


Wiebke Pittlik, Duitsland Instituut, Redaction Duitslandweb
Wiebke Pittlik, Duitsland Instituut, Redaction Duitslandweb

Als kleuter kwam ik met mijn moeder en zus uit Duitsland naar Nederland. Onder de rook van Rotterdam groeide ik op. Rotterdam is aan het begin van de oorlog platgebombardeerd door Duitse vliegtuigen. Afgeven op Duitsers was toen, in de jaren tachtig, een populaire vorm van humor. Veel leeftijdsgenoten kregen van hun ouders mee dat Duitsers niet deugden, de oorlogsfilms die ieder jaar op tv kwamen bevestigden dat beeld. Overigens rekenden ze mij niet tot de Duitsers, ik sprak immers vloeiend Nederlands. Dat afgeven op Duitsers gebeurt nu veel minder. Ik woon ook niet meer bij Rotterdam, wie weet scheelt dat.

Mijn ouders zijn in belangrijke mate gevormd door de oorlog en de gevolgen daarvan, ook mijn Nederlandse moeder. Voor mij en mijn generatie geldt dat niet meer.

Hier, in Nederland worden op 4 mei de doden herdacht en op 5 mei wordt de vrijheid gevierd. Een nationale feestdag is het niet, hoewel ik het de mooiste zou vinden. Onze Duitse partners in dit project bewonderen dit vieren van de vrijheid, ik bewonder het Duitse bewustzijn van de waarde en de kwetsbaarheid van vrijheid. Generaliserend gezegd: Nederlanders houden dat zichzelf even voor op 5 mei, met een vrijheidsselfie, Duitsers lijken zich daar altijd van bewust; als ze het belang van een Europese Unie verdedigen, als ze de straat op gaan tegen vreemdelingenhaat of zich opwinden over allerlei vormen van privacyschending en data-verzameling. Tegelijkertijd wekt het mijn verbazing dat in dit land van Nie wieder zoveel rechts-extreem geweld voorkomt. Reden te meer om te blijven herdenken.

Wiebke Pittlik, 40 jaar, dubbele nationaliteit


Jörg Wild, Pressenetzwerk für Jugendthemen
Jörg Wild, Pressenetzwerk für Jugendthemen

Als Kind der „Nachkriegsgeneration“ habe ich von den Gräueln des Krieges zum Glück nur gehört. Meine Eltern haben sie erlebt. Aber sie konnten in den Jahren der Schuld und des Hungers und der Not und des Schmerzes um die eigene Verantwortung für dieses Land die Freiheitsliebe wohl viel besser weiter geben als sie für sich selbst auszukosten. Ein wunderbares Geschenk, das meine Generation – die 60er – ausgebaut hat: Freie Liebe, freies Reisen, freies Denken und Schreiben, all das prägte uns. Und der Blick zurück auf die Generation meiner Eltern zeigt, wie kostbar all das ist. Und so schätze ich heute jede Wahl, jede Demonstration gegen Ungerechtigkeit, jede Reise durchs vereinte und freie Europa, jeden kritischen Artikel und jede Satirezeichnung. Trotz alledem ist der 8. Mai für mich und meine Generation seltsamerweise kein Befreiungstag. Irgendetwas sitzt wohl zu tief. Ich glaube, es ist eine Restschuld, eine Scham und die Verantwortung dafür, dass „nie wieder!“ wichtiger ist als „endlich frei!“ Jörg Wild, Jahrgang 1960, geboren und aufgewachsen in einem Dorf in Nord-Bayern


Linus Weinitschke, Dingdener Arbeitsgruppe 4./5. Mai
Linus Weinitschke, Dingdener Arbeitsgruppe 4./5. Mai

Mein Name ist Linus Weinitschke. Aufgewachsen bin ich in Vreden. Vreden liegt an der deutsch-niederländischen Grenze in der Nähe der Provinzen Gelderland und Overijssel. Hinsichtlich der Feier- bzw. Gedenktage in den Niederlanden und in Deutschland (und hier besonders: Bevrijdingsdag (5. Mai), Tag der Befreiung (8. Mai)) sollte man meinen, dass diesbezügliche Unterschiede gerade im Grenzbereich in besonderem Maße spürbar werden. Vordergründig stimmt das auch. So kommen beispielsweise am 5. Mai wesentlich mehr Niederländer zum Einkaufen nach Deutschland als sonst. Man achte nur auf die Nummernschilder. Da kann die Farbe Gelb schon mal überwiegen. Die Mehrheit der Bevölkerung hierzulande wird sich allerdings keinerlei tiefgründige Gedanken über Datum, Anlass und Sinn und Zweck der Feiertage unserer Nachbarn machen. Das (kollektive) Bewusstsein dafür ist hier nicht sehr ausgeprägt, was aber auch nicht weiter ungewöhnlich ist. Deutschland und die Niederlande sind halt immer noch zwei unterschiedliche Länder, mit Grenzen, und jeweils ganz eigener Kultur, auch wenn dies nicht immer unmittelbar offensichtlich ist. Für mich persönlich bezeichnend ist, dass der 8. Mai – als deutscher Gedenktag – erst dadurch richtig in mein eigenes Bewusstsein gerückt ist, dass ich mich intensiv mit dem niederländischen 4./5. Mai auseinandergesetzt habe. Als dies noch nicht so war, antwortete ich spontan auf die Frage, was denn der 8. Mai in Deutschland für ein Tag sei: Volkstrauertag! Knapp daneben. Aber ganz so abwegig ist es dann doch wieder nicht, denn sowohl der Volkstrauertag als auch der Tag der Befreiung sind zunächst einmal Gedenktage (also keine Feiertage!) – und sie liegen zudem ja auch noch thematisch dicht beieinander. Im Zusammenhang mit dem Tag der Befreiung ist also unterschwellig durchaus etwas im Bewusstsein der Deutschen verankert, allerdings wird dieser Tag hier bei weitem nicht so aktiv (und als Feiertag) begangen wie in den Niederlanden. In Deutschland überwiegt – verständlicherweise – die Zurückhaltung. Vielleicht können wir dieser Zurückhaltung ein wenig entgegenwirken, wenn wir das Befreiungslicht in diesem Jahr symbolisch über die Grenze nach Deutschland tragen. Linus Weinitschke, Dingdener Arbeitsgruppe 4./5. Mai


Robert Filgner, Pressenetzwerk für Jugendthemen, Redakteur
Robert Filgner, Pressenetzwerk für Jugendthemen,

Warum fiel mir nicht auf Anhieb ein, dass der 8. Mai der Befreiungstag in Deutschland ist? Ganz einfach: Er ist es nicht. In den Köpfen der meisten Deutschen stehen Freiheit und Befreiung in direktem Zusammenhang mit der Wiedervereinigung 1989/90. Und auch mein Blick fällt zunächst auf diese für mich selbst entscheidende Epoche. Wäre ich doch sonst als letzter Jungpionier hinter den Mauern gefangen geblieben. Und dennoch: Den Grundstein auch für diese Entwicklung legte ein Befreiungstag im Mai 1945. Er erlöste die Welt von ungeahntem Horror und schuf zugleich unsere neue Moderne. In der Sowjetunion wurde er zum Tag des Sieges erklärt. Mir selbst gefällt „Befreiung“ viel besser, da es den Blick direkt auf „Freiheit“ lenkt – ein für mich unschätzbar wertvolles Gut unseres europäischen und globalen Zusammenlebens. Die niederländischen Befreiungstage im Mai als großes Fest des Gedenkens und Feierns von Freiheit scheinen mir daher ein nachahmenswerter Umgang mit dem so dunklen Thema der Vergangenheit. Robert Filgner, 33 Jahre, geboren in Suhl (Thüringen)

Caspar Tobias Schlenk, Pressenetzwerk für Jugendthemen

Es war ein kurzes Gespräch in der 9. Klasse, das sich in mein Gedächtnis gebrannt hat. Ein russischer Klassenkamerad fragte mich damals: „Warum müssen wir am 8. Mai in die Schule? Ist das kein Feiertag?“ Die geschichtliche Bedeutung des Tages war mir schon vorher bewusst, aber erst diese Frage hat es in mein Bewusstsein gebracht: Wir sollten diesen Tag feiern.

Seit der Schulzeit habe ich viele Freunde, die aus der ehemaligen Sowjetunion mit ihren Familien nach Deutschland gekommen sind. Die grausame Vergangenheit hat für uns nie eine Rolle gespielt, wir waren einfach befreundet. Und genau aus diesem Grund sollten wir diese Gedenktage wieder stärker in das Bewusstsein der Jugend bringen – um zu zeigen, was diese Freundschaft doch für eine Errungenschaft ist.

Caspar Tobias Schlenk, geborgen in Hannover, 26 Jahre alt.

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