Befreiungsfeuer

Fackeln auf Reisen

Der Mai 2015 hat eine besondere Betrachtung durch das Ende des zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren erfahren. Historische sieben Jahrzehnte sind nun vergangen, die Zeitzeugen werden weniger an der Zahl. Daher richtet sich der Blick nach vorne – in Richtung eines neuen Umgangs mit dem Kriegsende und der Suche nach einem gemeinsamen Umgang mit der Vergangenheit. Weiterlesen Befreiungsfeuer

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4. Mai: Gedenken – aus deutscher Perspektive

Nun haben wir uns ausreichend Gedanken gemacht, wie wir zu den Themen Gedenken und Befreiung feiern können stehen. Die Köpfe hinter dieser Internetseite und hinten den laufenden Projekten für dieses Jahr sind sich ziemlich einig darin: Es ist toll, den Umgang der Niederländer mit der Geschichte auch von deutscher Seite aus zu betrachten – und vielleicht ein bisschen davon über die Grenze hinweg zu tragen. Am 4. und 5. Mai konnte ich mir nun auch selbst ein Bild davon machen.

Das nationale Komitee für die beiden Feierlichkeiten am 4. und 5. Mai macht einen hervorragenden Job. Soviel vorab. Wird den Deutschen stereotypisch der Drang zur Perfektion bei Planungen und Durchführungen zugeschrieben, stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Nationaal Comité 4en5 mei“ dem in nichts nach.  Weiterlesen 4. Mai: Gedenken – aus deutscher Perspektive

Freiheit feiern

Heute ist der 4. Mai, der Nationale Dodenherdenking (nationaler Toten-Gedenktag, Volkstrauertag) in den Niederlanden. Während ein Teil unserer Redaktion vor Ort an den Feierlichkeiten teilnimmt, hat sich Jörg Wild in Bonn einmal umgehorcht, was denn die Deutschen mit so einem Tag verbinden:

Ja, die Deutschen haben es in diesem Jahr noch einmal deutlich auch im Vorfeld des 8. Mai gesagt bekommen: Der Tag der Kapitulation des Zweiten Weltkriegs war nicht nur ein Tag der Niederlage, sondern auch ein Tag der Befreiung. Es hat lange gedauert, bis sich diese Erkenntnis im Bewusstsein der Deutschen festsetzen konnte – und der Prozess ist noch längst nicht abgeschlossen, auch wenn Politiker und Medien nicht müde werden, darauf hin zu deuten.

Der 8. Mai als Endpunkt des Krieges und des Nationalsozialismus ist also bekannt. Der 9. Mai auch noch, denn über den berichten die Fernsehsender schon allein deshalb so gerne, weil dann in Moskau die – wieder – gefürchtete Armee mit all ihren strammen Stiefelträgern und aufpolierten Raketen den Roten Platz zum Beben bringt. Und weil wir uns immer noch schwer tun mit der Erkenntnis, dass nicht nur die Amerikaner, Briten und Franzosen sondern vor allem auch die Sowjetischen Streitmächte Hitlers Soldaten zur Hölle geschickt haben.

Aber der 4. und der 5. Mai? Eine kleine Umfrage in Bonn ergibt: Da klingelt es bei keinem Deutschen. Zu viele Gedenktage sind schon begangen worden in den letzten Wochen. Zu viele Bilder von den Konzentrationslagern der Nazis, zu viele Hinweise auf die Unfassbarkeiten, die von Deutschen an Menschen in aller Welt begangen wurden.

 

Der 4. Mai als Gedenktag und der 5. Mai als Freiheitstag in den Niederlande, das kommt bestenfalls in der Grenzregion an. Dort, wo Niederländer und Deutsche noch Nachbarn auch im geografischen und nicht im ideellen Sinn sind. Das ist schade, wie Gespräche mit Bürgern in Bonn zeigen, denen kurz der Freiheitstag in den Niederlande geschildert wird. Ja, so die überwiegende Resonanz, so einen Tag könnten wir uns hier auch vorstellen. Schön fänden wir das, wenn wir den 8. Mai auch wirklich als Freiheitstag feiern könnten. Aber …

Aber wir als die Nachkommen der „Täter“, dürfen wir wirklich feiern an einem solchen Tag? Wäre das nicht respektlos den Opfern gegenüber? Taktlos und unmoralisch?

Um die Freiheit zu feiern haben wir den 3. Oktober als den Tag der Deutschen Einheit. Da dürfen wir Frieden und Freiheit wirklich mit lachenden Gesichtern und mit fröhlichen Festen begehen. Der 8. Mai wird in der deutschen Geschichte bei allem Bewusstsein der wieder gewonnenen Freiheit ein Gedenktag für die Verantwortung sein. Und das ist dann eigentlich auch wieder sehr gut so. Alles zu seiner Zeit.

Jörg Wild